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Die Peripherie in der Vorhölle

ATHEN – Der bevorstehende Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Athen wird eine viel weniger spannungsgeladene Angelegenheit als ihre früheren Griechenland-Visiten während Europas langer Finanzkrise. Natürlich haben die Griechen für Frau Merkel nicht viel übrig, aber aufgrund der bescheidenen wirtschaftlichen Erholung Europas sind die Beziehungen Deutschlands zu den am stärksten geschädigten und notleidenden Ökonomien in Europa etwas weniger belastet.

Tatsächlich wird Europa nicht mehr als Gefahr für die globale Finanzstabilität betrachtet. In den Kernökonomien der Eurozone zeigen sich Anzeichen eines Aufschwungs und die finanziellen Bedingungen in der überschuldeten Peripherie verbessern sich ebenfalls. Doch angesichts der Kapitalknappheit, gedämpfter Nachfrage und des langsamen Reformtempos in der Peripherie der Eurozone ist anhaltender Fortschritt alles andere als sicher.

In den von der globalen Wirtschaftskrise am stärksten betroffenen Ökonomien der Eurozone waren die Verluste in den Bereichen Produktion und Arbeitsplätze enorm und dauerhaft. Die realen (inflationsbereinigten) Pro-Kopf-Einkommen in der gesamten Eurozone bewegen sich um den Wert von 2007; in Griechenland und Italien allerdings sind sie auf das Niveau der Jahre 2000 beziehungsweise 1997 gesunken.