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Darf Olmert bleiben?

Nach Israels Unvermögen im letzen Sommer, einen endgültigen Sieg über die Hisbollah im Südlibanon zu erringen, wurde Ministerpräsident Ehud Olmerts Regierung durch öffentlichen Druck dazu gezwungen, eine Kommission einzuberufen, um die Ursachen dieses überraschenden Fehlschlags zu untersuchen. Wie konnte eine kleine Miliz, die weniger als ein paar tausend Kämpfer zählt, den Angriff der gewaltigsten Militärmaschine des Nahen Ostens überstehen?

Die Kommission unter dem Vorsitz des pensionierten Richters des Obersten Gerichtshofs Eliyahu Winograd hat soeben ihren Zwischenbericht veröffentlicht. Ihre Kritik an Olmert, an Verteidigungsminister Amir Peretz und Generalstabschef Dan Halutz – die in einer detaillierten und akribisch ausgeführten, 117 Seiten langen Beurteilung vorliegt – ist scharf, kommt aber nicht überraschend. Die Winograd-Kommission hat dargelegt, was die meisten Israelis ohnehin bereits denken: Olmert und Peretz fehlte die militärische, sicherheitstechnische und politische Erfahrung, um es mit einer terroristischen Organisation aufzunehmen, die israelisches Territorium überfiel, eine Reihe von Soldaten umbrachte, zwei entführte und dann über einen Monat lang tausende Raketen auf zivile Ziele abfeuerte.

In der Tat sind die Unerfahrenheit des Ministerpräsidenten und des Verteidigungsministers in der israelischen Geschichte bisher beispiellos. Olmert, der Ariel Scharons Amt als Chef der neuen Kadima-Partei übernahm, hielt man für einen kompetenten, jedoch farblosen Parlamentarier, der später Bürgermeister von Jerusalem wurde und eher für seinen polemischen Stil als für sein politisches Format und Gewicht bekannt war.

Für die meisten Israelis, selbst für diejenigen, die nach dem Abzug aus dem Gazastreifen für ihn als Erben Scharons stimmten, blieb Olmert daher der zufällige Ministerpräsident. Ebenso überraschte Peretz, ein aufwieglerischer, wenn auch erfolgreicher Gewerkschafter, alle, als er die Vorwahl um die Spitze der Arbeitspartei gewann und dann das Verteidigungsministerium dem Finanzministerium vorzog.