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Warum haben die Wirtschaftswissenschaftler die Krise nicht vorhergesehen?

CHICAGO – Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise stellte die Königin von England meinen Freunden an der London School of Economics eine simple Frage, auf die es jedoch keine einfache Antwort gibt: Warum waren die Wirtschaftswissenschaftler nicht in der Lage, die Krise vorherzusehen?

Auf diese Frage existieren mehrere Antworten. Eine lautet, dass den Ökonomen Modelle fehlten, die das Verhalten, das zur Krise führte, berücksichtigen konnten. Eine weitere lautet, dass die Wirtschaftswissenschaftler Scheuklappen aufhatten, da sie sich auf eine Ideologie verließen, nach der einem freien und unbeschränkten Markt keine Fehler unterlaufen. Und schließlich lautet eine Antwort, die an Zuspruch gewinnt, das System habe die Wirtschaftswissenschaftler bestochen, damit sie schweigen.

Meines Erachtens liegt die Wahrheit woanders.

Es stimmt nicht, dass wir Akademiker keine brauchbaren Modelle hatten, um die Ereignisse zu erklären. Wenn man glaubt, dass die Krise durch eine Verknappung der Liquidität verursacht wurde, hatten wir viele Modelle zum Analysieren von Liquiditätsengpässen und ihren Auswirkungen auf Finanzinstitute. Wenn man glaubt, schuld seien die gierigen Banker und gedankenlosen Anleger, die sich mit dem Versprechen staatlicher Rettungspakete in Sicherheit wiegten, oder der Markt, der aufgrund irrationalen Überschwangs verrückt spielte, so hatten wir all dies ebenfalls äußerst detailliert untersucht.