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Die USA sind immer noch die Anführer der Welt

WASHINGTON, DC – In Berichten über den Niedergang der amerikanischen Macht wurde oft enorm übertrieben. Bereits in den 1950ern wurde geglaubt, die Sowjetunion habe die USA überholt, aber heute existiert die Sowjetunion nicht mehr. In den 1980ern nahm man weithin an, Japan würde an den USA vorbeiziehen, aber heute, nach über zwei Jahrzehnten japanischer Stagnation, würde niemand mehr dieses Szenario ernst nehmen. Und in den 1990ern sollte die Währungsunion Europa einen größeren weltweiten Einfluss bringen, heute hingegen macht die europäische Wirtschaft zwar oft Schlagzeilen, aber keine guten.

Nun ist China an der Reihe. Bis vor kurzem schien China in den Augen vieler Menschen die weltweite Führung übernommen zu haben oder zumindest auf dem Weg dorthin zu sein. Momentan allerdings werden die Aktienmärkte in aller Welt (auch in den USA) von Zweifeln an den langfristigen wirtschaftlichen Aussichten Chinas durcheinander gewirbelt.

China ist wichtig, und die Wirtschaftspolitik des Landes, darunter auch die Anpassung des Wechselkurses, muss ernst genommen werden. Aber das Land regiert nicht die Welt und wird dies aller Voraussicht nach auch so bald nicht tun. Ob man es glaubt oder nicht: Die Möglichkeit der globalen Führung liegt immer noch bei den USA.

Die besten Argumente dafür, China als Weltmacht ernst zu nehmen, werden in Arvind Subramanians Bestseller Eclipse: Living in the Shadow of China’s Economic Dominance aus dem Jahre 2011 angeführt. (Der Verfasser, der heute führender Wirtschaftsberater beim indischen Finanzministerium ist, war mein Kollege und gelegentlicher Mitautor beim Internationalen Währungsfonds und beim Peterson Institute for International Economics.)