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Wenn Indien wählt

KERALA, INDIEN – Wenn sich indische Wähler und Wählerinnen in diesem Monat an die Wahlurnen begeben, um ein neues nationales Parlament zu wählen, beginnt zum 14. Mal seit der Unabhängigkeit Indiens das größte Wahlunternehmen der Geschichte. Wahlen in Indien sind eine gewaltige Anstrengung demokratischer Willensbekundung und werden es auch bleiben, denn Indiens wachsende Bevölkerung bricht weiter ihre eigenen Rekorde.

Dieses Mal besteht die Wählerschaft aus 714 Millionen Menschen, 43 Millionen mehr als bei der letzten Wahl 2004. Gewählt wird in 828.804 Wahllokalen, die über das ganze Land verstreut sind. Zur Wahl stehen mehr als 5000 Kandidaten aus sieben nationalen politischen Parteien, mehreren regionalen und anderen Parteien. Eingebunden in das Verfahren sind vier Millionen Wahlhelfer und 6,1 Millionen Polizisten und andere Beamte.

Das Unternehmen ist so gewaltig, dass die Wahlen in fünf Phasen gestaffelt werden müssen - nach jeder abgeschlossenen Phase reisen Wahlhelfer und Sicherheitsbeamte weiter, um mit der nächsten zu beginnen - und erst am 13. Mai abgeschlossen sein werden. Ausgezählt werden die Stimmen dann überall gleichzeitig, unmittelbar nachdem das letzte Wahllokal schließt. Das Wahlergebnis wird am 16. Mai verkündet. Das neue Parlament wird am 2. Juni zusammentreten und eine nationale Regierung wählen, die die scheidende Administration von Premierminister Manmohan Singh ablösen wird.

Indiens Wahlen werden von der unabhängigen (und ‚allmächtigen’) Wahlkommission Indiens durchgeführt und sind ein außergewöhnliches Ereignis, nicht nur wegen ihrer schieren Größe. Für die 714 Millionen Stimmzettel musste ein Wald von beträchtlicher Größe gefällt werden, und bei jeder Wahl gibt es mindestens eine Geschichte von Beamten, die sich durch Schnee oder den Urwald kämpfen oder auf Elefanten und Kamelen reiten mussten, um sicherzustellen, dass der demokratische Wille auch der abgeschiedensten Wahlkreise korrekt registriert wird. (Es gibt sogar eine Wahlkabine für einen einzelnen Wähler, der zu weit von der Zivilisation entfernt lebt, um zu einem anderen Wahllokal zu reisen.)