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Was ist in Südkorea los?

NEW YORK –  Zu Beginn der anhaltenden gewalttätigen Proteste in Südkorea gegen die Rindfleischimporte aus den USA bot das gesamte Kabinett des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak seinen Rücktritt an. Letzte Woche entließ Präsident Lee drei Regierungsmitglieder. Aber wie sich herausstellt, ist die Rindfleisch-Affäre nur die Spitze des Eisberges an Unzufriedenheit mit Lee. Obwohl erst vier Monate im Amt, sind seine Beliebtheitswerte in den einstelligen Bereich gesunken.

Lee gewann die Wahlen im Dezember 2007 mit 48,7 % der Stimmen. Er war Kandidat der Plattform „747“, die mit den Versprechen angetreten war, für ein jährliches BIP-Wachstum von 7 % sowie für Pro-Kopf-Einkommen von 40.000 Dollar zu sorgen. Überdies wollte man aus Korea die siebentgrößte Volkswirtschaft der Welt machen (derzeit liegt das Land an 13. Stelle). In seiner Antrittsrede versprach Lee, die Wirtschaft zu beleben, die Beziehungen zu den USA zu stärken und mit Nordkorea zu verhandeln. 

Was lief also schief?

Die Wirtschaft flaut ab – die Bank of Korea korrigierte ihre Prognose für heuer auf 4,7 %, während die OECD mit einem Wachstum von lediglich 4,3 % rechnet – die Inflation steigt und mancherorts ist man besorgt, dass Lees Politik zu sehr auf ausländische Investitionen und die Großkonzerne ausgerichtet ist. Außerdem muss sich Lee Faktoren außerhalb seiner Reichweite widmen, wie beispielsweise den stark steigenden Ölpreisen und der globalen Kreditkrise.