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Was wollen die ägyptischen Generäle?

KAIRO – “Wer auch immer die Mehrheit in der Volksversammlung hat, sie sind herzlich willkommen, da sie nicht die Macht haben werden, etwas durchzusetzen, das die Menschen nicht wollen.” So äußerte sich General Mukhtar al-Mulla, ein Mitglied des in Ägypten regierenden Obersten Rats der Streitkräfte (SCAF).

Die Botschaft Al-Mullas bestand darin, dass die Islamisten durch ihren Sieg bei Ägyptens jüngsten Wahlen weder Exekutivgewalt noch Einfluss auf den Entwurf einer neuen Verfassung erlangt haben. Aber General Sami Anan, Generalstabschef und Vizechef des SCAF, beeilte sich zu entgegnen, dass die Aussage Al-Mullas nicht unbedingt die offizielle Ansicht des Obersten Rats wiedergibt.

Wer also gibt ein Jahr nach dem revolutionären Sturz von Husni Mubarak in Ägypten politisch die Richtung vor?

Die Muslimbruderschaft und der Salafi-Parteien, die bei ihrem Wahlsieg gemeinsam mehr als 70% der Parlamentssitze gewonnen haben, bekommen großen Einfluss auf die Übergangsperiode und auf den Entwurf der Verfassung. Aber sie sind nicht allein. Neben den Islamisten haben zwei weitere mächtige Akteure ein Wort mitzureden: die “Tahriristen” und die Generäle.