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Weimarer Europa?

BERLIN – Die Position Deutschlands in Europa erscheint zunehmend exponiert und angreifbar. Im Chaos der deutschen Wiedervereinigung des Jahres 1990, als die deutschen Nachbarn sich vor dem neuen Riesen fürchteten, versprach der damalige Kanzler Helmut Kohl ein europäisches Deutschland und kein deutsches Europa.

Es herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass Europa ein substanzielles Wirtschaftswachstum braucht, um seiner Schuldenmisere zu entkommen. Aber die – in den katastrophalen Erfahrungen der Zwischenkriegszeit begründete - deutsche Sorge um Stabilität drängt die Entwicklung in die andere Richtung. Darum ist Deutschland-Bashing momentan in Mode.  

Die Kritiker Deutschlands führen dabei zwei Punkte an: das wahre europäische Problem sei der deutsche Leistungsbilanzüberschuss und die Deutschen seien in perverser Weise von ihrer Vergangenheit besessen.  

Tatsächlich ist das Thema der deutsche Leistungsbilanz schon älter als die Währungsunion. Aufgrund starker Exporte hatte sich Deutschland in den 1960er Jahren zur stärksten und dynamischsten europäischen Volkswirtschaft entwickelt. Die in erster Linie in  positiven Handelsbilanzen begründeten Leistungsbilanzüberschüsse traten in den 1950er Jahren kurz in Erscheinung, wurden dann nach einer Währungsaufwertung 1961 korrigiert und tauchten dann in Wellen in den späten 1960er, den späten 1970er und späten 1980er Jahren ebenso wieder auf wie in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends.