Catherine Ashton European External Action Service

Europa in einer multipolaren Welt

BERLIN – Ein Aspekt der Krise in der Ukraine, den sowohl Russland als auch der Westen verstehen müssen, ist, dass diese Krise den Rest der Welt offenbar nur mäßig kümmert. Obwohl der Westen und auch Japan die Krise vielleicht als Herausforderung für die globale Ordnung betrachten, fühlen sich die meisten anderen Staaten durch die russische Annexion der Krim oder die Auswirkungen, die dies in anderen Teilen der Ukraine haben mag, nicht bedroht. Vielmehr nimmt man diese Krise vielerorts als Kontroverse wahr, bei der es hauptsächlich um Europas Unfähigkeit zur Lösung seiner eigenen regionalen Konflikte geht  – obwohl eine erfolgreiche Krisenbewältigung Europas globalen Einfluss als Friedensstifter stärken könnte.

Als die Krise in der Ukraine ihren Lauf nahm, sprachen russische Politiker und Kommentatoren vom „Ende der Ära nach dem Kalten Krieg“ und der stellvertretende russische Ministerpräsident Dmitri Rogosin schien den Beginn eines neuen Kalten Krieges sogar zu begrüßen. Derartiges Wunschdenken gründet auf der Vorstellung, dass ein Konflikt zwischen Russland und dem Westen das gesamte internationale System neu definieren und Russland damit seinen einstigen Status als Supermacht zurückbringen würde.

Das wird nicht passieren. Wie die Reaktion der Schwellenländer auf die Krise in der Ukraine verdeutlicht, wird die Weltpolitik nicht mehr durch Ereignisse in Europa definiert, auch wenn sich dort ein größerer Konflikt zusammenbraut. Das internationale System ist derartig multipolar geworden, dass sich außereuropäische Staaten entscheiden können, ihre eigenen Interessen zu verfolgen anstatt sich verpflichtet zu fühlen, sich auf die Seite des Ostens oder des Westens zu schlagen.  

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