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Europa ist aus dem Gleichgewicht geraten

BRÜSSEL: Die G20-Regierungen haben erklärt, dass Abwertungswettbewerbe (also Währungskriege) vermieden werden müssten. Und sie argumentieren, dass übermäßige außenwirtschaftliche Ungleichgewichte überwacht und ggf. in koordinierter Weise bekämpft werden sollten.

Das klingt zahm, doch gibt es keinen guten Grund, diese Probleme anders anzugehen. Schließlich fehlt es an Instrumenten, um auf globaler Ebene strikte Regeln durchzusetzen, und der Abbau der heutigen globalen Ungleichgewichte – angefangen mit einer gewissen Neubewertung des Renminbi und Chinas Umstieg auf ein Wachstumsmodell, das auf einer stärkeren Binnennachfrage beruht – ist möglicherweise nur eine Frage der Zeit.

Europas interne Ungleichgewichte freilich sind ein deutlich verzwickteres Problem. Die G20 haben beschlossen, diese Frage auszuklammern, und vereinbart, die Europäische Union mit ihren 27 Mitgliedsstaaten als eine einzige Region zu behandeln. Auf diese Weise betrachtet, verschwindet das Problem, denn das Leistungsbilanzdefizit der EU als Ganzer beträgt nur ca. 0,35% ihres BIP, obwohl sich die Auslandspositionen der einzelnen Mitgliedsstaaten deutlich unterscheiden.

Diese kleine statistische Taschenspielerei spiegelt die politische Sensibilität der europäischen Leistungsbilanzungleichgewichte wider, die aus der Unfähigkeit der Euroländer herrührt, über den Wechselkurs wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Um ein EU-internes Ungleichgewicht zu beheben, müssten die Defizitländer echte Produktionseinbußen hinnehmen, während die Überschussländer ihre Wachstumsraten aufrechterhalten oder gar steigern könnten.