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Wie die Auswahl des nächsten UN-Generalsekretärs erfolgen sollte

OXFORD – Mit der Wahl eines neuen Generalsekretärs der Vereinten Nationen im kommenden Jahr hat die Welt eine wichtige Entscheidung zu treffen. Die Notwendigkeit einer starken, entschlossenen Führung ist angesichts der Krisen, die sich in allen Regionen der Erde ereignen, offensichtlich. Und doch ist das Auswahlverfahren für die Besetzung wichtiger internationaler Posten häufig eher von politischem Kuhhandel geprägt, als von einer leistungsorientierten Suche nach dem besten Kandidaten oder der besten Kandidatin.

Die Instrumente für eine Verbesserung des Verfahrens sind vorhanden, und es ist an der Zeit dafür zu sorgen, dass sie von den UN und anderen internationalen Organisationen angewendet werden. In einem neuen Bericht des Weltwirtschaftsforums und der Blavatnik School of Government der Universität Oxford wird eine Reihe von Best Practices präsentiert – von denen jede bereits von mindestens einer internationalen Behörde umgesetzt wird –, die gewährleisten können, dass Führungspersönlichkeiten aus den am besten qualifizierten Kandidaten ausgewählt werden und dass die Organisationen, für die sie arbeiten, mit den bestmöglichen Management-Praktiken ausgestattet sind.

Erst einmal ist es wichtig, das Auswahlverfahren zu professionalisieren. Zu lange ist Hinterzimmerabsprachen zwischen Regierungen Vorrang vor der Suche nach einem Kandidaten mit den entsprechenden Kompetenzen und Erfahrungen eingeräumt worden. Als Pascal Lamy, einer der Autoren des Berichts, zum Generaldirektor der Welthandelsorganisation gewählt wurde, gab es noch nicht mal eine Aufgabenbeschreibung, an der seine Qualifikationen hätten gemessen werden können.

Wenn die Wahl auf einen Kandidaten gefallen ist, ist es wichtig, klare Leistungserwartungen zu formulieren, die jährlich evaluiert werden können. Gruppen wie die Weltgesundheitsorganisation – die während der Ebola-Krise heftig kritisiert wurde – können von den 80% US-amerikanischer Vorstände in gemeinnützigen Organisationen lernen, die ein formelles Verfahren für die jährliche Beurteilung ihrer Geschäftsführung anwenden.