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Ugandas Kreuzzug gegen Homosexuelle

KAMPALA – In den 1990er Jahren war ich als 15-jähriger Highschool-Schüler in Uganda Mitglied eines „Schreibclubs“, der für unsere Mitschüler die wichtigsten Artikel aus der einzigen Ausgabe der Lokalzeitung zusammenfasste, die unsere Schule täglich erhielt. Eines Tages wurde mir ein „Nachrichtenartikel“ zugeteilt, in dem Schulen genannt wurden, die im Verdacht standen, Homosexualität zu dulden oder zu fördern – und die Schüler, die im Verdacht standen, schwul zu sein. Während ich schrieb, hatte ich Bauchschmerzen wegen all der jungen Menschen, die wegen ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität von ihrem Umfeld bloßgestellt, ausgegrenzt und sogar geschlagen werden würden. Ich hatte auch meinetwegen Bauchschmerzen, denn obwohl ich es nie laut ausgesprochen hatte, wusste ich bereits, dass ich schwul bin.

Mit der Zeit verwandelte sich dieser Schmerz in Wut, und diese Wut war ein Ansporn, mich zu wehren. Wenn also das ugandische Verfassungsgericht die Anhörungen zum Anti-Homosexuellen-Gesetz beginnt – einem der härtesten Anti-LGBTQ+-Gesetze der Welt –, werde ich zusammen mit vielen anderen Aktivisten und Verbündeten als Prozesspartei dabei sein. Die Anhörungen sind das nächste Schlachtfeld im Kampf nicht nur für den Schutz der Grundrechte queerer Ugander, sondern auch für die Diskreditierung nicht-ugandischer Homophober wie Scott Lively und Sharon Slater, die ihre Ressourcen in die Aufrechterhaltung von Bigotterie auf der ganzen Welt fließen lassen.

Das Anti-Homosexuellen-Gesetz, das Präsident Yoweri Museveni im Mai unterzeichnete, ist nicht der erste Versuch Ugandas, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu kriminalisieren. Es existiert bereits ein Anti-Sodomie-Gesetz – ein Erbe der britischen Kolonialherrschaft. Außerdem verabschiedete Uganda 2014 ein Gesetz gegen Homosexualität, das die Grundlage für das Gesetz von 2023 bildet.

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