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Tweets der Freiheit

NEW YORK: Für seine lautstarke Weigerung, seine Suchergebnisse in China weiter zu zensieren, wird Google weithin gefeiert. Noch ist unklar, ob das Unternehmen weiter in China operieren wird. So oder so jedoch werden wir keine größeren Veränderungen bei Chinas Internetstrategie erleben. Wahrscheinlicher ist, dass diese ganze „ausländische Einmischung“ die chinesische Regierung lediglich dazu bringt, sich in ihren Standpunkt zu verbeißen.

Doch selbst wenn Google China letztlich verlassen sollte, ist das Spiel nicht vorbei. Westliche Unternehmen können die Freiheit des Internets von außen fördern, indem sie nützliche Technologien und die Schlüssel, um darauf zuzugreifen, bereitstellen. Man kann das als „Twitter-Diplomatie“ bezeichnen.

Twitter wird von Chinas „großer Firewall“ (GFW), die die chinesische Bevölkerung am Zugriff bestimmter Websites hindert, größtenteils blockiert. Doch verfügt Twitter über eine beinahe religiöse Gefolgschaft bei den technisch beschlageneren Chinesen, deren Entschlossenheit, den Service zu nutzen, die Anstrengungen der Behörden, den Zugriff darauf zu blockieren, übersteigt.

Diese „Netzbürger“ überwinden die Firewall durch Nutzung von Proxyservern oder Virtual Private Networks (VPNs), die es ihnen gestatten, im Web zu surfen, als befänden sie sich außerhalb Chinas. Anfang dieses Monats trugen die chinesischen Twitterati dazu bei, dass es die GFW auf die Liste von Twitters zehn führenden „Trending Topics“ (d.h., den meistgetweeteten Begriffen) zu bekommen – eine beeindruckende Leistung, bedenkt man, dass Twitter angeblich in China unerreichbar sein soll.