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Die Agonie der Republikaner

WASHINGTON, DC – Es sind harte Zeiten für die US-Republikaner. Während sich die Parteibasis mehrheitlich hinter Donald Trump als Präsidentschaftskandidaten versammelt hat, fällt es den republikanischen Kongressabgeordneten schwer, ihn als ihren Fahnenträger zu akzeptieren. So etwas hat es in der amerikanischen Politik noch nie gegeben.

Man würde gerne glauben, dass diejenigen Republikaner, die Trump nicht unterstützen (oder Bedenken geäußert haben), ihren Prinzipien folgen. Doch obwohl ihnen sein Verhalten und seine Eignung für das Präsidentenamt Sorge bereiten mag, machen sich die meisten von ihnen mehr Sorgen über die Folgen seiner Kandidatur für ihre Karriere. Sie sind hin- und hergerissen zwischen Bedenken hinsichtlich seiner mangelnden Erfahrung, Unberechenbarkeit und Vulgarität und der Tatsache, dass viele ihrer Wählerinnen und Wähler ihn mögen. Allem Gerede über die Geschlossenheit der Republikaner zum Trotz, haben nur 11 von 54 Senatoren der Partei Trump unterstützt. Im Repräsentantenhaus waren es lediglich 27 von 246 Republikanern.

Selbst wenn Trump den Kampf um die Nominierung nicht für sich entschieden hätte, wäre die republikanische Mehrheit im Senat in diesem Jahr in Gefahr. Vierundzwanzig Republikaner müssen sich zur Wiederwahl stellen, eine ungewöhnlich hohe Zahl, und mindestens zehn laufen Gefahr ihren Sitz zu verlieren. Aus dieser Gruppe haben nur sechs Trump unterstützt.

Die wesentlichen Vorbehalte gegenüber Trump – unter Republikanern, Demokraten und Unabhängigen gleichermaßen – bestehen darin, dass er in zentralen Fragen der Innen- und Außenpolitik nicht gut genug Bescheid weiß und, was noch beunruhigender ist, über alle Maßen von sich selbst eingenommen, impulsiv und rücksichtslos ist. Auch der Umstand, dass er ohne jeden Skrupel Rassismus nutzt, um seine Ambitionen zu fördern, bereitet seinen Kritikern Sorge, da sie befürchten, dass er große Minderheitengruppen verprellt. Für die Ermordung von 49 Menschen in einer Schwulenbar in Orlando, Florida, machte er muslimische Einwanderer verantwortlich, obwohl der Amokschütze, wie Trump selbst, in Queens, New York, geboren wurde. Dabei handelt es sich nur um das jüngste Beispiel seiner Taktik.