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Zu europäisch für den Bankrott

BERLIN – Unter Investmentbankern wird erneut über die Möglichkeit spekuliert, dass ein Land die Europäische Währungsunion verlassen könnte – oder hinausgedrängt wird. Rating-Agenturen haben Portugal, Griechenland und Spanien aufgrund der schlechten Aussichten für ihr Wirtschaftswachstum und ihrer schwachen Staatsfinanzen herabgestuft. Irland erhielt einen negativen Ausblick und könnte bald ebenfalls herabgestuft werden.

Nun, da die Ängste sich mehren, dass das eine oder andere Land der Eurozone zahlungsunfähig werden könnte, haben die Renditespannen für Staatsanleihen zwischen den EWU-Ländern Rekordhöhen erreicht. Seit einiger Zeit liegen nun griechische Zehn-Jahres-Staatsanleihen ca. 300 Basispunkte über den deutschen Renditen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Investoren jetzt ein signifikantes Risiko für einen griechischen Staatsbankrott sehen oder für einen Ausstieg Griechenlands aus der EWU und einer Redenomination seiner Staatsanleihen.

Doch die Panik, dass die EWU sich auflösen könnte, ist übertrieben. Wahrscheinlicher als ein Staatsbankrott und der darauf folgende Austritt aus der Eurozone ist, dass die Mitgliedsstaaten ein grundlegendes Prinzip der EWU außer Kraft setzen und einem Mitgliedstaat unter die Arme greifen.

Die EWU zu verlassen, wäre eine kostspielige Option für Länder mit schwachen Leistungen. Selbstverständlich könnte eine Zurückgewinnung des Wechselkurses als Instrument für einen Abwertungswettlauf dazu beitragen, Verluste in der Wettbewerbsfähigkeit aufgrund steigender Lohnstückkosten zu überwinden. Wie Argentinien nach seinem Staatsbankrott und der Abwertung im Winter 2001/2002 gezeigt hat, kann ein solcher Zug die Exporte und das Wirtschaftswachstum wieder ankurbeln.