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Diese Erholung ist anders

BRÜSSEL – Die falsche Ansicht, dieses Mal “sei es anders”, hat dazu geführt, dass die Politiker den Kreditboom Anfang der 2000er nicht aufgehalten und so den Boden für die größte Finanzkrise der bekannten Geschichte bereitet haben. Aber jetzt, wo die Erholung ansteht, ist der Glaube, dieses Mal sei es nicht anders, ebenso gefährlich.

Viele Politiker und Wirtschaftswissenschaftler haben beobachtet, dass die Erholung von der Finanzkrise der Jahre 2007-2008 viel langsamer war als die meisten anderen nach dem Krieg, die nur wenig mehr als ein Jahr benötigten, um Produktion und Beschäftigung wieder auf das Vorkrisenniveau zu bringen. Da aktuell Produktion und Beschäftigung immer noch weit unter dem vorherigen Höchstwert liegen, ist die momentane Erholung so gesehen tatsächlich sehr langsam. Dies nutzen Politiker als Begründung für alle möglichen makroökonomischen Maßnahmen, um eine Erholung zu erreichen, die denen der Vergangenheit entspricht.

Dabei ziehen sie nicht in Betracht, dass die jetzige Krise entstand, weil ein noch nie da gewesener Kreditboom geplatzt war. In gewisser Weise wäre es logisch gewesen, auch einen nie dagewesenen Aufschwung zu erwarten. Beim Ausbrechen der Krise hofften viele auf eine V-förmige Erholung, obwohl Forschungen ergeben hatten, dass Erholungen nach Rezessionen, die durch eine Finanzkrise verursacht waren, meist schwächer und langsamer verliefen als solche nach “normalen” Rezessionen.

Die Beobachtung, dass Erholungen nach Finanzkrisen anders verlaufen, könnte bedeuten, dass die üblichen makroökonomischen Maßnahmen nicht so funktionieren wie erwartet. Und dies lässt sich durch einen transatlantischen Vergleich bestätigen.