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Der Weg aus dem Irak

Endlich ist im Irak der Punkt erreicht, an dem alle scheinbar dasselbe wollen: den Abzug der Koalitionsstreitkräfte aus dem Land. Die kürzlich aus dem britischen Verteidigungsministerium durchgesickerte Meldung über ein Schriftstück zum Truppenabzug unterstreicht diesen Wunsch. Die einzige Frage ist, wie man ihm nachkommen kann.

Solange die Koalitionsstreitkräfte bleiben, wird die Gewalt wahrscheinlich eskalieren. Doch gehen sie, wird es ebenfalls zu einer Eskalation kommen, nur schneller. Die wirkliche Frage lautet also, wie man an den Punkt gelangt, an dem der Irak eine Polizei und Armee vorweisen kann, der man zutraut, Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten.

Es ist noch ein weiter Weg, bis dieses Ziel auch nur annähernd erreicht ist. Trotz des Mutes der vielen Iraker, die der Armee oder Polizei beitreten, sollte niemand überrascht sein, wenn einige Motive haben, die nicht ganz rein sind. Im Nordirak werden alte Rechnungen beglichen, und in Gegenden wie Irbil, die traditionell ethnisch gemischt waren, wird eine faktische ethnische Trennung eingeführt. In anderen Gegenden wird das Gesetz der Scharia gewaltsam durchgesetzt.

Wie kann der Irak also uniformierte Dienste aufstellen, denen man eine effektive und unparteiische Durchsetzung des Gesetzes, ohne Berücksichtigung von Ethnizität, Religion und Geschlecht zutrauen kann? Die traditionelle Antwort lautet, Menschen anzuwerben, auszubilden und ihnen die „richtigen Werte“ zu vermitteln. Doch ist dafür nicht genügend Zeit. Andere Möglichkeiten sind notwendig.