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Nordkorea als Testfall chinesisch-amerikanischer Zusammenarbeit

MADRID – Wiederholte Drohungen aus Nordkorea haben die koreanische Halbinsel zu einem der gefährlichsten Krisengebiete der Welt werden lassen. Doch die derzeitige Situation bietet auch eine bedeutende Chance: Eine Stärkung des strategischen Vertrauens zwischen China und den Vereinigten Staaten; den beiden Ländern, die imstande sind die Spannungen ein für alle Mal beizulegen. Wenn es ihnen gelingt, konstruktiv zusammenzuarbeiten und eine friedliche Lösung zu gestalten, die für alle Seiten akzeptabel ist, wäre nicht nur Korea sicherer, sondern auch die Region und die ganze Welt.

Zehn Jahre nach seinem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag befindet sich Nordkorea eindeutig im Besitz von Atomwaffen. Bei dem Atomtest, den das Regime im Februar durchgeführt hat – der dritte seit 2006 – handelte es sich wahrscheinlich um einen miniaturisierten Sprengsatz, was angesichts der Tatsache, dass erfolgreiche Miniaturisierung die Voraussetzung für den Einsatz von Kernwaffen in ballistischen Raketen darstellt, besonders besorgniserregend ist.

Nach dem Atomtest vom Februar haben die Vereinten Nationen mit weiteren Sanktionen reagiert, über die sich die USA und China verständigt hatten, was eine Eskalation der Drohungen und Provokationen aus Nordkorea nach sich zog. Mit den jährlich stattfinden gemeinsamen Militärmanövern der USA und Südkoreas haben sich die Spannungen auf der Halbinsel weiter verschärft – insbesondere da amerikanische B-52- und B-2-Bomber in die Übungen einbezogen wurden, die als Nuklearwaffenträger eingesetzt werden können.

Niemand will Krieg auf der koreanischen Halbinsel. Für den Norden wäre es Selbstmord; für den Süden mit seiner dynamischen Wirtschaft und wachsenden Zahl an Freihandelsabkommen wären die Opportunitätskosten besonders hoch. Die Stabilität der Region ist eine Voraussetzung für das kometenhafte Wirtschaftswachstum Chinas, und ein militärischer Konflikt würde auch einen Rückschlag für die wirtschaftliche Wiedergeburt der USA bedeuten. Nachdem die US-Verteidigungsausgaben nach einem Jahrzehnt schuldenfinanzierter Kriege in Irak und Afghanistan endlich zurückgehen dürften, hat Amerika wenig haushaltspolitischen Spielraum für eine Verwicklung in unvorhergesehene militärische Auseinandersetzungen. Der so genannte „pivot to Asia“, die Hinwendung der USA nach Asien, baut auf den wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich dort bieten; ein Konflikt mit unvorhersehbaren Konsequenzen passt nicht in diese Pläne.