Die Software des Lebens

Da wir selbst leben, neigen wir zur Ansicht, das Leben wäre einfach zu begreifen. In der herkömmlichen Hierarchie der Naturwissenschaften wird die Mathematik, weil am schwierigsten, als Königsdisziplin betrachtet. Danach folgen Physik, Chemie und schließlich die Biologie. Diese Hierarchie ist allerdings falsch und irreführend: Heute wissen wir, dass in der Biologie mehr Mathematik steckt, als wir uns jemals vorstellten.

Als mit der Entdeckung der DNA Moleküle in die wissenschaftliche Erklärung des Lebens Einzug hielten, erklomm die Biologie einen höheren Rang und gelangte auf die Ebene der Chemie. Als man später die für die Genaktivierung verantwortlichen abstrakten Schemata erkannte, schaffte es die Biologie, sich noch weiter der Mathematik anzunähern.

Das Schlagwort in den Biowissenschaften von heute lautet „Systembiologie“. Lange Zeit wurden Forscher, die sich mit dem Leben und der Vererbung beschäftigten, in zwei Lager eingeteilt: Auf der einen Seite die Epigenetiker , die vor allem die Umwelteinflüsse auf lebende Organismen hervorhoben und auf der anderen Seite die Präformisten , die sich in erster Linie auf die Ähnlichkeiten zwischen Eltern und deren Nachkommenschaft konzentrierten. Die epigenetische Sicht der Dinge war eindeutig falsch, denn irgendetwas Gleichbleibendes musste ja von einer Generation auf die andere übertragen werden. Aber die Ansicht der Präformisten, wonach es der ganze Organismus sei, der auf die nächste Generation übertragen wird, stand im Widerspruch zur Unmöglichkeit, Objekte unendlich oft zu teilen.

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