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Der Weg zum Wachstum nach der Krise

MAILAND – Es ist nun etwa 18 Monate her, dass die Finanzkrise zugeschlagen hat, und seit 12 Monaten legt sich die Panik langsam wieder, die Preise für Vermögenswerte werden stabiler und legen sogar zu. Obwohl die Erholung in den Industrieländern schwach bleibt, scheinen die Entwicklungsländer das Unwetter überstanden zu haben. Das Wachstum in China und Indien springt zurzeit zurück auf das Niveau vor der Krise, Brasiliens Wachstum steigt nach einer steilen Talfahrt, und der Handel in den Entwicklungsländern erholt sich wieder von seinem schwachen Stand.

Es gibt eine Vielzahl an Gründen für diese bemerkenswerte Widerstandskraft, und sie bieten einen Leitfaden für Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen. Als die Krise zuschlug, wurde Kapital aus den Entwicklungsländern abgezogen, um angeschlagene Bilanzen in den Industrieländern abzustützen. Die Kreditvergabe wurde stark eingeschränkt. Doch verhinderten die schnellen Reaktionen der Zentralbanken in den Entwicklungsländern – zusammen mit relativ gesunden einheimischen Banken – eine ernsthafte Kreditsperre.

Zudem wurden die im vorangegangenen Jahrzehnt angesparten Reserven in vielen Fällen dazu benutzt, einen Teil der Kapitalabflüsse auszugleichen. Die Bilanzen der Banken waren nach der Finanzkrise 1997-1998 gestärkt worden, und sie waren unbelastet von den überbewerteten verbrieften Forderungen und komplexen derivativen Wertpapieren, die einen Großteil der Verluste der Finanzinstitute in den Industrieländern verursacht haben.

Der Fremdkapitalanteil war in mehreren Sektoren geringer. Die Finanzinstitute und vor allem die Haushalte hatten weniger Schulden im Verhältnis zu ihrem Vermögen und ihren Einkünften. In den Industrieländern waren die Hauptmechanismen, über die sich die Bilanzverluste in die Realwirtschaft übertrugen, die Kreditbeschränkung und der geringere Konsum aufgrund der Nettovermögensverluste in den Haushalten. Beide Faktoren waren in den Volkswirtschaften der Entwicklungsländer gedämpfter.