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Der Risiko-Tsunami

NEW YORK: Es ist Zeit, dass die G20 ihr Mandat, sich auf Schritte zur Stabilisierung der Weltwirtschaft zu einigen, ernst nimmt und diese auf einen nachhaltigeren Wachstumskurs bringt. Stattdessen benimmt sich die G20 wie ein Debattierklub, und der kooperative Ansatz, den sie zu Beginn der Krise förderte, ist dabei, einer Vielzahl häufig rücksichtsloser einseitiger Maßnahmen ihrer Mitglieder Platz zu machen.

Doch es gibt erhebliche Risiken für die wirtschaftliche Stabilität und den Wohlstand der Welt, die es dringend in Angriff zu nehmen gilt. Irland hat Europa seine zweite staatliche Schuldenkrise in diesem Jahr beschert, und die Kapitalmärkte legen inzwischen ein schizophrenes Verhalten an den Tag: Als Reaktion auf die Gefahr eines Übergreifens der Krise auf andere europäische Länder einerseits und die quantitative Lockerung in den USA andererseits jagen die Investitionen derzeit über den Atlantik hin und her.

Zugleich strömt Kapital in die Schwellenländer, wo höhere Zinsen gezahlt werden, und baut dort Inflationsdruck auf, treibt die Preise von Vermögensgütern in die Höhe und setzt die Währungen dieser Länder einer deren Wettbewerbsfähigkeit bedrohenden Aufwertung aus – kurz gesagt, Verzerrungen und politische Kopfschmerzen, die unkonventionelle Verteidigungsreaktionen erfordern.

Die Wachstums- und Beschäftigungsprognosen für die hoch entwickelten Länder sind zurückgegangen – eine verzögerte Anerkennung der Realität einer lang andauernden, schwierigen Erholung und neuen, nachkrislichen „Normalität“. Die Haushaltsdefizite werden angesichts niedrigerer und realistischerer Wachstumsprognosen jetzt auf kurz- bis mittelfristige Sicht als gefährlicher eingestuft als zuvor.