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Die Panther der Identitätspolitik

LONDON – Ich war gerade in Jordanien, dieser wunderschönen Oase der Ruhe und Besonnenheit in einer schwierigen und gefährlichen Nachbarschaft, als mich die Nachrichten von den Morden an zwei britischen Soldaten und an einem katholischen Polizisten durch republikanische Terroristen in Nordirland erreichten.

Von den Hügeln Jordaniens überblickten wir die von den Christen als Heiliges Land bezeichnete Region. Meine Gedanken schweiften ab in die Zeit, die ich einst in Nordirland verbrachte und es fiel mir auf, dass der Schmelztiegel des Kampfes, der Bitterkeit und des Blutvergießens hier wie dort sehr klein ist. In der Geographie Nordirlands, Gazas und des Westjordanlandes herrscht eine Intimität, die diese Gewalt noch unerklärlicher und obszöner erscheinen lässt.

Ist diese Gewalt das unausweichliche Resultat eines Zusammenpralls von Kulturen, Religionen und Volkszugehörigkeiten? Ist sie aufgrund der Geschichte, Sprache und unserer unterschiedlichen spirituellen Sehnsüchte schon genetisch verankert?

Es war ein Glücksfall, dass ich in Jordanien ein Buch von Amin Maalouf mit dem Titel On Identity las. Der Autor ist Libanese, Franzose, Araber und Christ und ihm gelang ein brillanter Angriff auf die von ihm so bezeichneten „Panther“ der Identitätspolitik. Maalouf hofft, dass er eines Tages den gesamten Nahen Osten als seine Heimat bezeichnen kann und dass sein Enkelsohn das Buch als seltsames Andenken an eine Zeit empfinden wird, in der man diese Argumente noch vorbringen musste.