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Der Tod von Osama bin Laden eröffnet neuen Spielraum

NEU-DELHI – Es ist ein einprägsames Bild, das da auf Privatvideo gebannt wurde: Ein gebeugter Osama bin Laden, allein, in einer armseligen häuslichen Umgebung, graubärtig und in eine Decke gehüllt, der auf der Suche nach einem Bild von sich selbst von Kanal zu Kanal durch die öde Fernsehlandschaft schaltet. Der Inbegriff des Bösen entpuppt sich als ungemein banal.

Ebendeshalb gibt Osamas Eliminierung durch US-Kommandos eine wunderbare Fallstudie ab. Beginnen wir mit dieser Frage: War es ausgleichende oder göttliche Gerechtigkeit, dass der Anführer von al-Qaida, dessen 1988 in Peshawar, Pakistan, geborene Gruppierung, gezeugt vom pakistanischen Geheimdienst (Inter-Services Intelligence, ISI) und mit der CIA als Geburtshelferin, letzten Endes von seinen metaphorischen Schöpfern getötet worden ist?

Diese Frage zieht zwei weitere nach sich, die alles andere als rhetorisch sind: Wo liegt, schlussendlich, die Schuld für bin Ladens mörderische Jahrzehnte? Und wird sein Tod einen Schlussstrich unter den weltweiten islamistischen Terror ziehen?

Demonstrationen und ein chaotisches Gezeter um Vorwürfe haben Pakistan erfasst, während in den endlosen Weiten des Internet schreckliche Drohungen kursieren und der Rest der islamischen Welt von einer sonderbaren Gleichgültigkeit erfüllt ist. Dennoch scheinen die Ereignisse im Maghreb und im Nahen Osten zu beweisen, dass sich die Strömungen des arabischen und muslimischen politischen Lebens von Osamas mörderischem Messianismus wegbewegen.