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Der Mugabe Lateinamerikas

MANAGUA – Wie tausende andere Nicaraguaner nahm ich letzten November an den Kommunalwahlen im Land teil. Nach dem Urnengang veröffentlichte die für meinen Bezirk zuständige Wahlbehörde das Ergebnis. Demnach entfielen 155 Stimmen auf den Oppositionskandidaten, 76 Stimmen auf den Kandidaten der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) und zwei Stimmen auf andere Kandidaten.  

Am Tag darauf allerdings waren diese Teilergebnisse nicht in den von der Obersten Wahlbehörde veröffentlichten Ergebnissen für Managua enthalten und der Sieg wurde dem Kandidaten der FSLN zugesprochen.

Es dauerte Monate, bis klar war, dass das Gleiche auch in 660 anderen lokalen Wahlbezirken passierte: etwa 120.000 Stimmen – 30 Prozent  aller abgegebenen Stimmen – wurden nie veröffentlicht. Wären sie mitgezählt worden, hätte die Opposition den Bürgermeistersitz in der Hauptstadt mit großem Abstand gewonnen.

Diesen Monat übernahm der neue Bürgermeister sein Amt, ohne dass es je zu einer Veröffentlichung der ausgezählten Stimmen durch die Wahlkommission gekommen wäre. Das ist eine offene Verletzung des nicaraguanischen Wahlrechts.