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Hasse den Banker und nicht die Bank

NEU DELHI – Der öffentliche Diskurs läuft in den seltensten Fällen differenziert ab. Die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne ist kurz und Feinheiten tragen eher zur Verwirrung bei. Besser also eine klare, wenn auch falsche Position vertreten, damit wenigstens die Botschaft durchdringt. Je eindringlicher und schriller diese ausfällt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie Aufmerksamkeit erregt, wiederholt wird und das Wesen der Debatte bestimmt. 

Man denke beispielsweise an die Diskussion um die Bankenregulierung. Banker werden heutzutage vielfach geschmäht. Doch das Bankgeschäft ist auch geheimnisumwoben. Daher findet jeder Kritiker, der intellektuell in der Lage ist, den Schleier der Bankgeschäfte zu lüften und Banker als unfähig und bösartig darzustellen, ein dementsprechend geneigtes Publikum. Die Botschaft der Kritiker – nämlich die Banken in ihre Schranken zu weisen – findet großen Anklang. 

Natürlich können die Banker Kritiker und Öffentlichkeit ignorieren und ihr Geld für Lobbyarbeit an den richtigen Stellen nutzen, um ihre Privilegien zu erhalten. Doch von Zeit zu Zeit reicht es einem Banker, als Schurke hingestellt zu werden. Er (üblicherweise handelt es sich um einen Mann) warnt die Öffentlichkeit, dass selbst die geringfügigsten Regulierungen für Banken das Ende der Zivilisation bedeuten würden.  Die schrille Diskussion nimmt weiter ihren Lauf und die Öffentlichkeit ist so klug als wie zuvor.

Zur Verdeutlichung ein konkreteres Beispiel: Vor der aktuellen Krise wies eine bedeutende Zahl an Banken ein sehr hohes Maß an Fremdkapital auf,  wobei der Verschuldungsgrad in manchen Fällen bei einem Wert von 30 (und darüber) lag. Vielfach handelte es sich um äußerst kurzfristiges Fremdkapital. Daraus könnte man schließen, dass die Banken mit zu wenig Eigenkapital und einer zu geringen Sicherheitsmarge operierten und dass eine vernünftige Regulierungsmaßnahme in der besseren Kapitalisierung der Banken bestünde.