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Der IWF nach DSK

PRINCETON – Wie tief ist doch der mächtige Internationale Währungsfonds gesunken. Vor mehr als einem Jahrzehnt erschien in dem französischen Magazin Paris Match ein Foto des damaligen geschäftsführenden Direktors Michel Camdessus mit der Überschrift: „Der mächtigste Franzose der Welt.“ Heute gilt sein Nachfolger Dominique Strauss-Kahn (DSK), der in Handschellen und mit ernster Miene momentan auf allen Titelseiten prangt, als der am meisten gedemütigte Franzose der Welt.

Eine unvorhergesehene Folge des reißerischen Sexskandals um DSK in New York ist das unerwartet hohe öffentliche Interesse an der Frage seiner Nachfolge. Dieser Skandal legt nämlich so manches fundamentale Problem der Führung des IWF und sogar seiner Existenz offen.  

DSK versuchte den IWF weniger als Polizei, sondern wieder als Arzt für das globale Finanzwesen zu etablieren. Zur Abmilderung oder sogar Vermeidung von Finanzkrisen bedarf es allerdings manchmal der Polizei. Momentan erfordert die Kombination aus immer noch offenkundigen Exzessen am Finanzsektor und im Bereich der öffentlichen Finanzen vieler Länder eher eine entschlossene Polizeiaktion.

Jede Organisation ist immer viel mehr als nur die Person, die gerade an ihrer Spitze steht, aber eine schwache oder zu sehr in die Politik involvierte Führungspersönlichkeit kann der Organisation schweren Schaden zufügen. Unglücklicherweise waren etwa die Hälfte der ehemaligen geschäftsführenden Direktoren des IWF entweder schwach oder übermäßig mit der Politik verflochten – oder beides.