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Die historische Bedeutung von Chinas Eintritt in die WTO

CAMBRIDGE, MA: Gestern schlossen sich die Vereinigten Staaten Europa an, in einer Einigung auf die Prinzipien der Wirtschaftsreformen die China den Eintritt in die WTO gewährleisten sollen. Dieser Schritt lässt die Aufnahme Chinas in die WTO bis Ende 2000 erwarten. Chinas Zugang in die WTO bringt 1,3 Milliarden Menschen - mehr als ein Fünftel der Menschheit - formal in die Hauptströmung des Welthandels ein. Dies ist ein epochaler Richtungswechsel in Chinas Beziehungen zur Welt, die auf Ereignisse von mehr als fünf Jahrhunderten zurückzuführen sind.

Für Ökonomen und Geschichtswissenschaftler mit weitem Blick, stellt Chinas Weltlage ein Rätsel dar. Einfach gesagt, warum ist heute China so von Armut geplagt? Das Bruttosozialprodukt pro Person beträgt mit standardisierten Preissätzen gerechnet um die $3.200 im Vergleich zu ungefähr $25.000 in den USA und Europa. Das Rätsel ist, dass von 550 bis 1500 n. Chr. die chinesische Zivilisation die Welt in Technologie, und warscheinlich auch in Fragen wirtschaftlichen Wohlstands führte. Chinas relativer Verfall über die letzten 500 Jahre ist eines der grössten Themen der Weltgeschichte.

Blicken wir sechs Jahrhunderte zurück in das frühe 15. Jahrhundert. China konnte sich technologischer Wunder rühmen - der Kompass, Navigationsfähigkeit, Drucktechnik, Feuerwerk und Sprengstoff - welche die Aussenwelt kaum zu Gesicht bekam. Der chinesische Staat war schon seit mehr als 1.500 Jahren vereint - seine Staatskunst beträchtlich verfeinert. Die chinesischen Schönen Künste - verdeutlicht durch das weltweit und über Jahrhunderte hochgepriesene Porzellan - waren am Standard jedes Zeitalters gemessen herausragend. Vielleicht das außerordentlichste Zeichen dieser Errungenschaften waren in den frühen Jahren des 15. Jahrhunderts die fantastischen Seefahrten der chinesischen Flotte, in denen Schiffe von monumentalem Ausmaß in den Jahren 1405 bis 1431 die Seerouten nach Südostasien, Indien, und soger Ost-Afrika erforschten. Chinesische Porzellanscherben werden heute von Archäologen in Kenia und Tansania gefunden.

Dann verblasste die chinesische Vorherrschaft. Während Ökonomen, Geschichtswissenschaftler, Politologen und Demografen etwas zur Lösung dieses Rätsels beitragen können, ist es meine Ansicht, dass mehr als alles andere China der Welt den Rücken zukehrte. In den 30er Jahren des 15. Jahrhundrts wendete sich China von seinen Seefahrten ab, und schaffte seine Flotte ab. Der kaiserliche Hof, in finanziellen Engpässen und von nomadischen Eingriffen aus Zentralasien bedroht, stellte die Seezüge nach 1430 ein, verlegte die Hauptstadt nach Beijing, und begann China für die kommenden Jahrhunderte zu isolieren. Dekret auf Dekret folgten, in denen der Schiffbau abgeschafft, die Häfen geschlossen wurden, und den Chinesen verboten wurde das Festland zu verlassen. Handel und Tausch konten nunmehr nur spärlich fließen.