Die Zukunft des US-japanischen Bündnisses

Cambridge, Mass.: Viele Analysten meinen gegenwärtig, in Japan ein ungutes Gefühl über das Bündnis des Landes mit den USA zu erkennen. Teilweise hat dies mit den nordkoreanischen Nuklearwaffen und der Befürchtung zu tun, dass die USA sich nicht angemessen für Japans Interessen einsetzen (etwa in der Frage, ob Nordkorea über die vor Jahren erfolgte Verschleppung japanischer Bürger Rechenschaft ablegen müsse). Andere Fragen betreffen die Stationierung von US-Marineinfanteristen in Okinawa und den finanziellen Beitrag Japans zur Verlegung eines Teils davon nach Guam. Die Liste ist lang, aber man sollte dergleichen am besten als „häusliche Querelen“ interpretieren: Viele Paare streiten sich über so etwas, ohne dabei an Scheidung zu denken.

Ein tieferes Maß an Sorge jedoch betrifft die Furcht Japans, im Rahmen der US-Hinwendung zu einem aufsteigenden China marginalisiert zu werden. So monieren einige Japaner etwa, dass China im amerikanischen Wahlkampf deutlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als Japan. Derartige Befürchtungen sind nicht überraschend: Die Verteidigungskapazitäten der USA und Japans sind nicht gleichwertig, was die stärker von der anderen abhängige Partei zwangsläufig verunsichern muss.

Über die Jahre hinweg wurden unterschiedliche Vorschläge gemacht, um das Bündnis ausgewogener zu gestalten, u.a. auch, dass Japan ein „normales“ Land mit dem kompletten Arsenal militärischer Kapazitäten – einschließlich selbst von Nuklearwaffen – werden solle. Aber derartige Maßnahmen würden mehr Probleme aufwerfen als lösen. Selbst wenn Japan sie umsetzen sollte, würde es damit nicht an die Kapazitäten der USA heranreichen oder das Ungleichgewicht beseitigen. Man beachte, dass Amerikas europäische Verbündete während des Kalten Krieges ähnliche Ängste der Abhängigkeit und des Im-Stich-gelassen-Werdens hegten – trotz eigener militärischer Kapazitäten.

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