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Der Kampf der Europäischen Union um die Türkei

Als die Anstifter der jüngsten Selbstmordattentate in Istanbul ihre menschlichen Bomben auf jüdische Synagogen und britische Bürogebäude losschickten, wollten sie damit eine Botschaft an mehrere Adressaten übermitteln. Ein Empfängerkreis - möglicherweise der wichtigste - sind die Bürger der Europäischen Union, der die politische Klasse der Türkei so bald wie möglich angehören will.

Der Kampf um die EU-Mitgliedschaft der Türkei wird an vielen Fronten ausgetragen werden: Im Land selbst, wo die Regierung momentan große Reformvorhaben umsetzen möchte, um als Kandidatenland akzeptiert zu werden, am Verhandlungstisch, wenn der Europäische Rat im Dezember 2004 die Kommission ermächtigen wird, formelle Beitrittsgespräche mit der Türkei aufzunehmen und schließlich in der Öffentlichkeit der gegenwärtigen EU-Mitgliedsländer.

Letztere wird dabei die anspruchvollste Front. Die meisten EU-Bürger überkommt angesichts einer möglichen EU-Mitgliedschaft der Türkei ein unangenehmes Gefühl. Die Verantwortlichen für die Gräueltaten in Istanbul haben wahrscheinlich damit gerechnet, dass der islamische Terrorismus dieses Unbehaben noch weiter verstärkt.

Auf ihrem Weg von der Sechsergemeinschaft zu einer Union mit 25 Staaten, die ab dem Jahr 2004 die EU bilden, haben die Bürger Europas die neuen Mitglieder traditionell immer akzeptiert. Die einst rein westeuropäische Gemeinschaft hat ihre Grenzen in alle Richtungen ausgedehnt.