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Der Euro erwartet sein Urteil

WASHINGTON, DC – Die Schaffung des Euro vor über einem Jahrzehnt war ein mutiges und einzigartiges Experiment. Was dabei herauskam, erweckt heute jedoch großen Zweifel  –  nämlich, ob der Euro überleben wird und ob es für die Europäer richtig ist, ihn zu behalten. Wenn die Eurozone überlebt, verspricht dies allerdings große Vorteile für die Mitgliedsländer – und vielleicht für die Welt.

Für die Mitglieder ist der Euro eine Währung mit ultrafestem Wechselkurs: Die Länder der Währungsunion schlossen sich anfangs zu einem bestimmten Wechselkurs gegenüber ihren früheren Währungen ein und warfen die Schlüssel ins hohe Gras. Heute durchkämmt eine zunehmende Zahl von Europäern das Gras, um auf leisen Sohlen nach den Schlüsseln zu suchen.  

Der Euro weist wichtige gemeinsame Merkmale mit manchen Versionen des alten Goldstandards auf. Damals legten die Länder ihre Wechselkurse zueinander fest, indem sie den Preis festsetzten, zu welchem die einheimische Währung in Gold eingetauscht werden konnte. Heute vertreten einige  - oft lautstark – den Standpunkt, dass der Goldstandard mit wirtschaftlicher und finanzieller Stabilität gleichzusetzen war. Das allerdings steht in krassem Gegensatz zu den historischen Daten: Das Zeitalter des Goldstandards ist voller Boom-Bust-Phasen, die durch übermäßige Kreditaufnahme von Staaten, Firmen, Einzelpersonen oder allen zusammen geschürt wurden.

Zwischen dem Euro und dem Goldstandard bestehen drei Unterschiede – von denen momentan keiner besonders beruhigend ist.