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Südafrikas Flitterwochen sind vorbei

Für Südafrika und die internationale Gemeinschaft sind die Flitterwochen vorbei. Durch Probleme im Inland und regionale Instabilität gestaltet sich die Außenpolitik für die Regierung des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) von Präsident Thabo Mbeki zunehmend schwierig.

Die inneren Probleme Südafrikas, vor allem das starke Anwachsen der AIDS-Epidemie, wurden gut dokumentiert, seit der ANC vor mehr als zehn Jahren die Regierung übernahm, die Stellung des Landes als Akteur innerhalb der internationalen Gemeinschaft ist jedoch weniger deutlich geworden. Es gab sowohl im In- als auch im Ausland hohe Erwartungen, dass Südafrika in Bezug auf internationale Angelegenheiten eine starke Position einnehmen und aus der außergewöhnlichen und unerwarteten Vereinbarung über die Verfassung, die im Jahr 1994 von Nelson Mandela und F. W. de Klerk erzielt wurde, Kapital schlagen könnte und würde.

Anfangs ermöglichte es eine auf Nelson Mandelas glänzendem weltweiten Ruf basierende Außenpolitik dem Land, sich als vorbildlichen internationalen Bürger zur Geltung zu bringen. Die Regierung strebte eine konstruktive Rolle in ganz Afrika an, wollte die Interessen der Dritten Welt vor den Vereinten Nationen und anderswo vertreten und sich für ein Ende der Fülle von Konflikten einsetzen, die den Kontinent plagen.

Als die Wirkung von Mandelas Ruf mit der Zeit verblasste, wurde aus Südafrika jedoch nur eines von vielen Ländern, das verzweifelt versucht, mit immensen sozialen und wirtschaftlichen Entbehrungen zurechtzukommen und ungeduldig auf die ausländischen Investitionen wartet, die für Wirtschaftswachstum unabdingbar sind. Zudem wurden die Grenzen dessen erkannt, was die Regierung auf internationaler Bühne erreichen kann, trotz einiger wichtiger Leistungen wie etwa ihre hilfreiche Rolle bei der Neuverhandlung des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen 1995.