Das Ende des Neoliberalismus?

NEW YORK – Die Welt meinte es nicht gut mit dem Neoliberalismus, dieser Wundertüte an Konzepten, die auf der fundamentalistischen Vorstellung beruhen, dass die Märkte sich selbst regulieren, Ressourcen effizient verteilen und den Interessen der Öffentlichkeit dienen. Dieser Marktfundamentalismus bildete die Grundlage von Thatcherismus, Reaganomics und dem so genannten „Washington-Konsens“. Forciert wurden Privatisierung, Liberalisierung und unabhängige Zentralbanken, die sich unbeirrbar auf die Inflation konzentrieren.

Über ein Vierteljahrhundert lang gab es einen Wettbewerb unter den Entwicklungsländern und die Verlierer stehen fest: Länder, die einen neoliberalen Kurs verfolgten, verloren nicht nur ihre  Wachstumsgewinne und wenn sie Wachstum verzeichnen konnten, flossen die Gewinne in unverhältnismäßiger Weise den Eliten zu.

Obwohl die Neoliberalen es nicht zugeben wollen, fiel ihre Ideologie auch bei einem anderen Test durch. Niemand kann nämlich behaupten, dass die Finanzmärkte in den späten 1990er Jahren ihre Aufgabe in der Ressourcenverteilung exzellent bewältigten, nachdem 97 % der Investitionen in die Glasfasertechnik Jahre brauchten, bis am Ende des Tunnels ein Licht zu sehen war. Aber wenigstens führte dieser Fehler zufällig zu einem Vorteil: Da die Kosten der Kommunikation geringer wurden, konnten sich Indien und China besser in die Weltwirtschaft integrieren. 

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