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Die geheime Bailout-Strategie der EZB

MÜNCHEN – Warum mussten Griechenland, Irland und Portugal unter dem Rettungsschirm der Europäischen Union Schutz suchen, und warum munkelt man auch, dass Spanien bald so weit sein könnte?

Für viele liegt die Antwort auf der Hand: Die internationalen Märkte wollen die “GIPS”-Länder  nicht mehr länger finanzieren. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn zumindest Griechenland, Irland und Portugal wurden schon drei Jahre lang praktisch nicht mehr von den Märkten finanziert, sondern von der Europäischen Zentralbank. Anhand der sogenannten “Target”-Konten, die bisher von den Medien ignoriert wurden, lässt sich erkennen, dass die EZB weit mehr als bisher bekannt an Rettungsaktionen beteiligt war.

Aber EZB hat jetzt kalte Füße gekriegt, und will aussteigen. Deshalb drängt sie die Mitglieder der Eurozone, mit dem neuen European Stability Mechanism (ESM) an ihre Stelle zu treten.

Normalerweise wird das Leistungsbilanzdefizit eines Landes (Handelsbilanzdefizit minus Transfers aus anderen Ländern) durch einen Zufluss von privatem Kapital aus dem Ausland finanziert. In einer Währungsunion allerdings können, wenn der private Kapitalfluss nicht ausreicht, Kredite der Zentralbank diese Rolle übernehmen. Genau dies ist in der Eurozone passiert, als Mitte 2007 erstmals der Interbankenmarkt zusammenbrach.