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Der paranoide Stil in den Wirtschaftswissenschaften

NEU-DELHI – Warum werden aus wirtschaftswissenschaftlichen Kontroversen zwischen angesehenen Akademikern so schnell persönliche Angriffe? Das wohl bekannteste neuere Beispiel ist die Kampagne des Nobelpreisträgers Paul Krugman gegen die Wirtschaftswissenschaftler Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, in der er schnell von der Kritik an einem Fehler in einer ihrer Veröffentlichungen zu Vorwürfen hinsichtlich ihrer Verpflichtung zur akademischen Transparenz überging.

Für alle, die diese beiden herausragenden internationalen Makroökonomen kennen, wie ich, liegt auf der Hand, dass diese Anschuldigungen umgehend aus der Welt geschafft werden sollten. Doch bleibt die darüber hinausgehende Frage, warum dieser paranoide Stil so führend geworden ist.

Zum Teil liegt es daran, dass die Wirtschaftswissenschaften keine exakte Wissenschaft sind und es Ausnahmen für fast alle Verhaltensmuster gibt, von denen Wirtschaftswissenschaftler ausgehen. So sagen Wirtschaftswissenschaftler beispielsweise voraus, dass höhere Preise für eine Ware die Nachfrage danach senken. Doch wer Wirtschaft studiert hat, wird sich zweifellos an eine frühe Begegnung mit „Giffen-Gütern“ erinnern, die gegen das normale Muster verstoßen. Wenn Tortillas teurer werden, isst eine arme mexikanische Arbeiterin möglicherweise mehr davon, weil sie nun ihren Verbrauch an teureren Lebensmitteln wie Fleisch zurückschrauben muss.

Solche „Verstöße“ treten auch anderswo auf. Kunden schätzen ein Produkt oft mehr, wenn der Preis dafür steigt. Ein Grund dafür kann sein Signalwert sein. Eine teure handgefertigte mechanische Armbanduhr gibt die Zeit vielleicht nicht genauer an als ein günstiges Quarz-Modell, aber weil sich nur wenige Leute eine solche leisten können, signalisiert der Kauf, dass der Besitzer reich ist. Ebenso stürzen sich Anleger auf Aktien, die gestiegen sind, weil sie über „Schwung“ verfügen.