Paul Lachine

Der gekrümmte Weg der Finanzreform

BRÜSSEL – Vor zwei Jahren haben die Regierungen die weltweiten Finanzmärkte gerettet. Dennoch schüchtern heute dieselben Märkte die Regierungen ein, oder zumindest einige von ihnen.

In Europa ist der Markt für griechische Schulden eingefroren, und die Zinsspreads zwischen irischen und deutschen Euro-Schulden erreichten vor kurzem alarmierende Höhen. Spanien ist es gelungen, seinen eigenen Spread gegenüber Deutschland zu verringern, allerdings erst nach einer politischen Kehrtwende. Portugal hat ein großes Sparpaket angekündigt, in der Hoffnung auf denselben Effekt. Doch selbst wenn sie keine Gefahr laufen, den Zugang zu den Anleihenmärkten zu verlieren, warten die meisten Regierungen in den Industrieländern heutzutage bange auf die Äußerungen derselben Rating-Agenturen, die sie vor kurzem noch verteufelten.

Dieser Schicksalswandel ist schockierend. Für die Öffentlichkeit sieht es so aus, als ob arrogante Finanzmarktprofis nichts aus der Krise gelernt hätten, was den Eindruck nährt, es habe sich nichts geändert – höchstens zum Schlimmeren. Regierungen mit dem Mandat, die Finanzmärkte zu zähmen, scheinen viel Schall und Rauch produziert zu haben, aber kaum Reformen. Ob bewusst oder nicht, scheinen die Regulierer ihre Chance verpasst zu haben, ernsthafte Änderungen an den Regeln des globalen Finanzwesens vorzunehmen, und die Regierungen sind nun derart geschwächt, dass sie denen ausgeliefert sind, die vor nicht allzu langer Zeit sie um Hilfe anflehten.

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