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Die Abschottung Amerikas?

CAMBRIDGE – Die Einwanderungsdebatte hat die Vereinigten Staaten fest im Griff. Der Bundesstaat Arizona erließ vor kurzem ein Gesetz, das die Polizei vor Ort dazu anhält, den Aufenthaltsstatus von Bürgern zu überprüfen, die aus anderen Gründen angehalten wurden, und das von Einwanderern verlangt, nach Aufforderung einen Nachweis über ihren rechtlichen Status vorzuzeigen.

Die Regierung Obama hat das Gesetz kritisiert, kirchliche Gruppen haben protestiert, es sei diskriminierend, und ein Bundesgericht hat eine einstweilige Verfügung erlassen, die Immigration zur Angelegenheit des Bundes erklärt. Unabhängig vom Ausgang des Prozesses erweist sich das Gesetz von Arizona in anderen Bundesstaaten als populär und verdeutlicht, dass Immigration als politisches Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Falls die USA sich nach innen wenden und die Einwanderung ernsthaft bremsen sollten, hätte dies ernsthafte Folgen für Amerikas Position in der Welt. Bei seinem aktuellen Zustrom an Einwanderern ist Amerika eines der wenigen Industrieländer, das einen Bevölkerungsrückgang verhindern und seinen Anteil an der Weltbevölkerung womöglich halten kann, doch könnte sich dies ändern, wenn die Grenzen aufgrund der Reaktionen auf die Terroranschläge oder aufgrund öffentlicher Fremdenfeindlichkeit geschlossen würden.

Ängste in Bezug auf die Auswirkungen der Einwanderung auf nationale Werte und ein gemeinsames amerikanisches Identitätsgefühl existieren seit den Anfangsjahren der Nation. Die „Know-Nothing-Party“ im neunzehnten Jahrhundert gründete auf dem Widerstand gegen Immigranten, vor allem gegen die Iren. Ab 1882 konzentrierte sich die Ausgrenzung auf Asiaten, und mit dem Immigration Restriction Act von 1924 verlangsamte sich der Zustrom von Einwanderern vier Jahrzehnte lang.