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Die China-Frage

Präsident Bushs jüngster Besuch in Asien machte wenig Schlagzeilen – so war es geplant. Doch kommt das daher, dass Bush das Problem, das sich immer stärker in der Region abzeichnet, nicht angesprochen hat: die sich wandelnde Sicherheitslage in Asien angesichts Chinas wachsender wirtschaftlicher und militärischer Macht.

In diesem Sommer führten China und Russland beispielsweise ihre erste gemeinsame Militärübung im großen Stil durch. Daraufhin folgten russische Nachrichtenberichte darüber, dass China, Russland und Indien vor Ende dieses Jahres trilaterale Militärübungen in derselben Größenordnung mit dem Namen „Indira 2005“ durchführen würden.

Früher war eine solche Kombination von Ländern fast undenkbar, und diese Übungen können nicht als einfache einmalige Angelegenheiten von geringer Bedeutung abgetan werden. Stattdessen spiegeln sie Chinas langfristiges strategisches Ziel wider, seine Vorherrschaft in Asien zu etablieren.

Ein Hilfsmittel bei dieser Bestrebung ist die Shanghai Organisation für Zusammenarbeit (SCO), unter deren Führung die chinesisch-russischen Übungen stattgefunden haben. Der im Juni 2001 gegründeten SCO gehören China, Russland, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan und Usbekistan an. Der ursprüngliche Zweck der SCO war der Abbau von Spannungen an den Grenzen zwischen China und den mittelasiatischen Ländern nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Ankunft der US-Armee durch den Krieg in Afghanistan.