Verantwortlich ist immer der Chef

In den Nachrichten sah man jüngst, wie Ken Lay, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Enron, in Handschellen abgeführt wurde. Endlich - Jahre nach dem Zusammenbruch von Enron - wird Lay für das, was während seiner Zeit am Ruder passiert ist, vor Gericht gestellt. Wie es so häufig unter solchen Umständen der Fall ist, beteuert der Vorstandsvorsitzende seine Unschuld: Er habe nicht gewusst, was seine Untergebenen taten. Für die Erfolge ihrer Unternehmen scheinen sich Bosse wie Ken Lay immer voll verantwortlich zu fühlen - wie anders könnten sie ihre exorbitanten Vergütungen rechtfertigen? Die Schuld für Misserfolge - ob wirtschaftlicher oder krimineller Art - scheint immer woanders zu liegen.

Amerikas Gerichte (wie jene in Italien im Fall Parmalat) werden nach geltendem Recht das endgültige Urteil über straf- und zivilrechtliche Verantwortung fällen. Allerdings geht es in Fällen wie diesem noch um eine umfassendere Frage: In welchem Umfang sollte ein Unternehmensführer für das, was während seiner Wache passiert, verantwortlich gemacht werden?

Klar ist, dass kein Vorstandsvorsitzender eines Großunternehmens mit hunderttausenden von Beschäftigten alles wissen kann, was innerhalb des von ihm geführten Unternehmens vorgeht. Wenn aber nicht der Vorsitzende die Verantwortung trägt, wer dann? Die unter ihm behaupten, nur getan zu haben, was ihrer Ansicht von ihnen erwartet wurde. Falls sie nicht präzisen Anweisungen folgten, so reagierten sie zumindest auf vage Pro-forma-Instruktionen der Unternehmensspitze nach dem Motto: Tut nichts Illegales, maximiert einfach die Gewinne. Das Ergebnis ist häufig genug ein Klima, in dem Manager das Gefühl entwickeln, es sei akzeptabel, die gesetzlichen Bestimmungen allzu großzügig auszulegen oder die Bücher des Unternehmens zu frisieren.

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