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Die Zähmung der Megastädte dieser Welt

Vor kurzem kam der Vorschlag eine Mauer um Rio de Janeiros berüchtigte Elendssiedlungen zu ziehen. Sie hätte den gleichen Zweck, wie die berüchtigte Mauer, die einst Berlin teilte, und die Mauer, die Israel errichtet, um sich von den palästinensischen Gebieten abzutrennen: Menschen zu isolieren. In Rio sind die Menschen, die isoliert würden, die Bewohner der riesigen und von Kriminalität heimgesuchten Favelas .

Die Mauer wird natürlich nie gebaut werden. Auch wenn sie es würde: Die Probleme der Massenurbanisierung des einundzwanzigsten Jahrhunderts werden durch solch primitive Methoden nicht gelöst. Was die Vereinten Nationen als das "Jahrhundert der Urbanisierung" bezeichnen, wird Kreativität und Vorstellungsvermögen erfordern, Innovationen und keine rohen Steinmauern oder auch subtilere Sicherheitsgrenzen.

Nehmen wir São Paulo, die viertgrößte Stadt der Welt und meine Heimat. Unsere Vergangenheit und Gegenwart ist für viele andere die Zukunft. Von den sechs Milliarden Menschen auf der Welt leben mehr als 50% in Großstädten und Städten. Sogar in einem Land von der Größe Brasiliens leben mehr als 80% der Bevölkerung in Stadtgebieten.

Das Tempo der Verstädterung ist erstaunlich. Im Jahr 1975 lebten nur 38% der Weltbevölkerung in Städten; bis zum Jahr 1998 hat sich ihre Zahl auf 47% erhöht. Bis zum Jahr 2015 wird sie 55% oder mehr erreicht haben. Im Jahr 1975 lag die Einwohnerzahl von nur 100 Städten bei über einer Million; bis zum Jahr 2015 werden 527 Städte diese Marke überschritten haben. Noch bedenklicher ist, dass es im Jahr 1960 nur zwei "Megastädte" mit mehr als 10 Millionen Einwohnern gab, aktuell sind es 18, und im Jahr 2015 werden es um die 26 sein.