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Griechenland hat gewählt - das Zweite Kapitel der Eurokrise

BERLIN – Es ist noch nicht allzu lange her, da meinten manche Politiker und Journalisten in Deutschland, die Krise im Euroraum wäre vorbei, überstanden.

Heute wissen wir, dass es sich lediglich um einen weiteren grandiosen Irrtum in der an Irrtümern so reichen Geschichte der Eurokrise handelte. Und auch dieser jüngste Irrtum beruht, wie die meisten seiner Vorgänger, auf der Verwechslung von Wunsch und Wirklichkeit. Denn es war offensichtlich, dass die Krise mitnichten vorbei war, sondern sich ganz im Gegenteil zu verschärfen drohte.

Die Austeritätspolitik - sich aus der Krise heraussparen - funktioniert einfach nicht, und das war von Anfang an absehbar, denn mit einer schrumpfenden Wirtschaft nimmt der Anteil der Altschulden zu und nicht ab. Die Krisenländer sparten sich von der Rezession in eine Depression, ohne Wachstum, mit Massenarmut und Arbeits- und Hoffnungslosigkeit.

Es musste zu einer politischen Reaktion dagegen an den Wahlurnen kommen, das war seit längerem absehbar. Aber stur wie Langohren hielten Brüssel und Berlin an ihrer Überzeugung fest, man könne, ja müsse sich aus der Krise heraussparen und machte so alles nur noch schlimmer. Das griechische Volk, der Demos, hat jetzt mit den Mitteln der Demokratie reagiert und eine verbrauchte und korrupte Elite davon gejagt. Die Rückkehr der Euro-Krise ist damit allgemein sichtbar geworden.  Aber diese Rückkehr in Gestalt einer hochgefährlichen politischen Krise, welche die EU in eine Existenzkrise stürzen kann, vollzog und vollzieht sich in mehreren Schritten.