Südkoreas gefährlicher Aufbruch

Die Entscheidung Nordkoreas, die UNO-Atominspektoren auszuweisen, ist ein weiterer Grund die Wahl Roh Moo Hyuns zum Präsidenten Südkoreas als historische Wende zu betrachten. Der Beginn seiner Amtszeit wird nicht nur von der gefährlichsten Krise auf der koreanischen Halbinsel seit Jahrzehnten begleitet, auch die Beziehungen mit den USA werden auf eine harte Probe gestellt, wie dies schon seit vielen Jahren nicht mehr der Fall war.

Rohs Sieg über seinen Kontrahenten Lee Hoi Chang markiert einen Generationswechsel in der koreanischen Politik, bei dem sich die Jungen mit ihrem Wunsch, sich von den USA zu emanzipieren durchgesetzt haben. Im Gegensatz zu früheren Wahlkämpfen in denen regionale Auffassungsunterschiede dominierten, waren diesmal Generationskonflikte der bestimmende Faktor im Präsidentschaftswahlkampf. Einem Bericht zufolge gaben 60 % aller Wahlberechtigten zwischen 20 und 40 Jahren Roh ihre Stimme. Damit erreichte er im ersten Kopf-an-Kopf-Wahlkampf seit 31 Jahren einen Vorsprung von 2,3 % gegenüber seinem Kontrahenten.

Wenn Roh im Februar sein Amt antritt, wird seine populistische und nationalistische Haltung einem raschen und schmerzlichen Realitätstest unterzogen werden. Die Mischung aus Generationswechsel und dem starken Wunsch nach Fortführung der Annäherungspolitik an Nordkorea - ungeachtet seiner Politik am Rande des atomaren Abgrundes - führt beinahe zwangsläufig zu Konflikten mit den USA.

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