Gebeutelt aber vernünftig

BERKELEY – In Amerika – und im Rest der Welt – werden die Gemäßigten in der Wirtschaftspolitik gerade an den Rand gedrängt. Das Institut für Wirtschaftspolitik meldet in einer Umfrage, dass die Amerikaner in ihrer überwältigenden Mehrheit glauben, die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre habe erheblich dazu beigetragen, die Banker aus Midtown Manhattan und der Londoner Canary Wharf zu bereichern (sie finden sich nicht mehr hauptsächlich an der New Yorker Wall Street und der City of London).

Die republikanische Fraktion im US-amerikanischen Kongress sagt gerade Nein: Nein zu kurzfristigen Defizit-Ausgaben, um die Arbeitslosigkeit zu senken, Nein zur Unterstützung des Bankensystems und Nein zu erhöhter staatlicher Beaufsichtigung oder Eigentümerschaft von Kreditinstituten. Und die Banken selbst sind auch wieder im business as usual angekommen: eifrig sperren sie sich gegen jede Reform des Finanzsektors und unterstützen Abgeordnete, die den Gesetzgebungsprozess verzögern und stören.

Ich will nicht behaupten, die Politik in den letzen Jahren sei ideal gewesen. Hätte ich vor 13 Monaten etwas zu sagen gehabt, hätten das US-Finanzministerium und die amerikanische Notenbank Lehmann und AIG fallen gelassen – aber ich hätte ihre Schulden zum Nennwert abgeschrieben, vorausgesetzt, die Schulden wären durch ausreichend Aktienbezugsrechtsscheine abgesichert gewesen. Das hätte das System aufrechterhalten und die Aktionäre der Banken und des Schattensystems der Banken bestraft, und heute würde niemand behaupten, das Risikomanagement sei angemessen gewesen und eine Reform desselben nicht erforderlich.

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