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Sinai: Sicherheit mit der zweiten Garnitur

SHARM EL-SHEIKH: Im Gefolge des Anschlages, bei dem im August auf der Sinai-Halbinsel 16 Sicherheitsoffiziere ums Leben kamen, hat das ägyptische Militär den Druck auf die dortigen Dschihadis erhöht. Die Generäle versprachen eine langfristige Kampagne zur Eliminierung der terroristischen Bedrohung, verlagerten schwere Waffen in das Gebiet und feuerten Raketen auf Trainingslager ab, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen. Doch sollte ihr Verhalten in der Vergangenheit ein Hinweis auf ihr künftiges Handeln sein, dürfte die Offensive eine flüchtige Angelegenheit bleiben. Die Streitkräfte haben nie besonderes Interesse an einer Stabilisierung des Sinai gezeigt, und frühere Operationen zur Vertreibung der Dschihadis haben diese nicht an der Rückkehr gehindert.

Viele Ägypter geben den Einschränkungen im ägyptisch-israelischen Friedensvertrag von 1979 die Schuld dafür, dass ihr Militär nicht in der Lage ist, den Sinai unter Kontrolle zu halten. Dieses bilaterale Übereinkommen legt fest, dass Ägypten nur 22.000 Soldaten im als Zone A bekannten Westteil der Halbinsel stationieren darf. Im an Israel grenzenden und als Zone C bezeichneten östlichen Abschnitt ist die ägyptische Präsenz auf Personal der Zentralen Sicherheitskräfte (CSF) beschränkt. Die Tätigkeit dieser aus schlecht ausgebildeten Kadetten bestehenden Truppen ist laut Sicherheitsanhang des Übereinkommens auf „normale Polizeifunktionen“ beschränkt.

Die Dschihadis haben das durch die letztjährige Revolution bedingte Sicherheitsvakuum genützt, um ihre Präsenz auf dem Sinai zu verstärken. Mit Zunahme der von ihnen ausgehenden Bedrohung hat Israel Ägypten gestattet, die Truppenbestände über das in den Friedensverträgen festgelegte Maß hinaus zu erhöhen. Ägypten freilich hat dieses Angebot nicht genutzt. Im vergangenen August gestatteten die Israelis zusätzliche sieben Bataillone und 20 Panzer in Zone C, doch die ägyptischen Streitkräfte haben nie die volle Anzahl an zusätzlichen Soldaten dort stationiert und sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Panzer über den Suezkanal zu bringen.

Ägyptens Ansatz bei der Truppenstationierung auf dem Sinai spiegelt seine traditionelle Vernachlässigung der Halbinsel wider. So hat das Land in der Vergangenheit in Zone A lediglich 70-80% der dort vertraglich zulässigen 22.000 Soldaten stationiert. Auch hat das Militär nie ein Regionalkommando auf dem Sinai eingerichtet, sondern es vorgezogen, den dort zeitweise stationierten Einheiten zu gestatten, an ihre in der Umgebung Kairos stationierten Vorgesetzten zu berichten.