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Zwei Ansichten über das Finanzsystem

WASHINGTON, DC – Vom 10.-12- Oktober 2014 findet in Washington D.C. die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds statt, und ein zentraler Punkt der Tagesordnung ist der globale Finanzsektor. Dies dürfte für eine interessante Konferenz sorgen, denn es werden dabei zwei sich diametral widersprechende Ansichten in Bezug auf das globale Finanzsystem aufeinandertreffen.

Die erste Ansicht besagt, dass wir seit Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 bereits „eine Menge getan“ hätten. Laut dieser regelmäßig von Vertretern des US-Finanzministeriums und ihren europäischen Amtskollegen propagierten Sichtweise müsste man zwar bei der Umsetzung der Reformen vielleicht noch ein wenig mehr tun, doch seien unsere Banken und sonstigen Finanzunternehmen bereits viel sicherer geworden. Die Krise von 2008 könne sich daher nicht so schnell wiederholen.

Die zweite Sichtweise besagt, dass wir die erforderlichen weit reichenden Veränderungen noch lange nicht abgeschlossen haben. Schlimmer noch: Zumindest in Bezug auf einen zentralen Punkt sei die von den Politikern und führenden Journalisten zur Beschreibung des Finanzsystems verwendete Sprache hoch problematisch.

Die Fragen, um die es geht, sind komplex und weisen eine Menge Nuancen auf, doch was beide Seiten trennt, lässt sich großteils in einem Satz zusammenfassen: Ist es hinnehmbar, zu behaupten, dass die Banken Kapital „halten“?