6

Wahre Worte von hoch oben

WASHINGTON, DC – Es kommt nicht oft vor, dass ein führender Regierungsvertreter ein kurzes, klares Analysepapier vorlegt. Sogar noch seltener ist es, wenn die Argumentation dieses Regierungsvertreters den Kern der Sache präzise anspricht und auf eine verheerende Kritik der bestehenden Ordnung hinausläuft.

In einer am 24. Februar gehaltenen Rede hat Thomas M. Hoenig, Vice Chairman der US-Einlagensicherung (FDIC), genau das getan. Diese vier Seiten sind eine Pflichtlektüre nicht nur für Wirtschaftspolitiker weltweit, sondern auch für alle anderen, die sich über die Entwicklung des globalen Finanzsystems Gedanken machen.

Hoenig, ehemaliger Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, hat sein ganzes berufliches Leben mit Fragen der Finanzregulierung zugebracht. Er ist in der Lage, seine Botschaft einem breiten Publikum effektiv zu vermitteln – und man braucht kein Finanzexperte zu sein, um die von ihm angesprochen Kernpunkte zu begreifen.

Einer dieser Punkte ist, dass das Eigenkapital der weltgrößten Finanzunternehmen nur etwa 4% ihrer Gesamtanlagen entspricht. Das Eigenkapital der Aktionäre ist in derartigen Unternehmen der einzige wirkliche Puffer gegen Verluste; d.h. ein Wertverlust der von diesen Unternehmen gehaltenen Anlagewerte von 4% würde die Aktionäre dieser Unternehmen komplett auslöschen – und die Unternehmen selbst an den Rand der Insolvenz bringen.