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Schadenfreude-Kapitalismus

PRINCETON: Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat zuerst das amerikanische Kapitalismusmodell diskreditiert und anschließend die europäische Variante. Nun sieht es aus, als ob auch der asiatische Ansatz ein paar Schläge einstecken dürfte. Und so stellt sich nach dem Scheitern des Staatssozialismus die Frage: Gibt es tatsächlich keine richtige Methode, eine Volkswirtschaft zu organisieren?

Im Gefolge der Subprime-Krise und des Zusammenbruches von Lehman Brothers galten die USA als ein Beispiel dafür, wie schlimm die Dinge fehlschlagen können. Das amerikanische Modell sei gescheitert, so hieß es, sein Ruf war angeschlagen erst durch die Invasion im Irak und anschließend durch die Finanzkrise. Wer auch immer vom „American Way of Life“ träumte, nahm sich nun wie ein Trottel aus.

Dies war die Diagnose, die der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück unmittelbar nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers stellte und mit der er nicht nur die USA, sondern auch andere Länder, die ihr Finanzsystem „amerikanisiert“ hätten – insbesondere Großbritannien –, in Frage stellte. Das Problem, so Steinbrück, läge in der übermäßigen Abhängigkeit von hochkomplexen Finanzinstrumenten, die von globalisierten amerikanischen Finanzinstituten ausgegeben würden: „Die Finanzkrise ist in erster Linie ein amerikanisches Problem. Die übrigen Finanzminister der G7 in Kontinentaleuropa teilen diese Ansicht.“

Die Kritik an Amerika endete nicht dort. Steinbrücks Nachfolger Wolfgang Schäuble fuhr im selben Ton fort und attackierte die „planlose“ amerikanische Geldpolitik, die angeblich nur darauf ausgerichtet sei, das amerikanische Finanzmonster zu füttern.