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Von Kairo nach Algier – die ägyptische Tragödie

BERLIN – Die letzten Illusionen über das, was man noch vor nicht allzu langer Zeit noch den „arabischen Frühling“ nannte, dürften nun endgültig zerplatzt sein. Denn spätestens seit dem Militärputsch in Ägypten steht die gleichermaßen einfache wie bedrückende Alternative für die Zukunft des Landes allen glasklar vor Augen: (islamistische) Revolution oder (militärische) Konterrevolution, Diktatur gegen Diktatur und nicht mehr Demokratie gegen Diktatur. Und diese Alternative gilt nicht nur für das Land am Nil, sondern nahezu überall in der weiten Region des Nahen und Mittleren Ostens.

Wo die Alternative Revolution oder Konterrevolution heißt, haben sich beide Seiten für eine militärische Lösung entschieden, die Bürgerkrieg lautet, da mögen die wohlmeinenden Außenminister der EU in Brüssel auch beschließen, was immer sie wollen.

Beide Optionen verheißen Unheil und große menschliche und humanitäre Katastrophen. Aber nur diese Alternative zählt noch machtpolitisch, auch wenn weder die Islamisten noch das Militär über ein auch nur in Ansätzen funktionierendes Modernisierungskonzept für Wirtschaft und Gesellschaft verefügen, und so ist der Ausgang von Revolution oder Konterrevolution bereits heute vorhersagbar: Egal, welche Seite in diesem Bürgerkrieg die Oberhand behalten wird – und auf mittlere Sicht wird dies in Ägypten das Militär sein - , Demokratie und Rechtsstaat werden verlieren, und die Diktatur wird sich erneut durchsetzen.

Das Militär hat sich mit der Unterstützung der alten Eliten, der städtischen Mittelklasse und der religiösen Minderheiten eindeutig positioniert und ist zum Äußersten entschlossen. Zudem wird es finanziell von Saudi-Arabien und den Emiraten gestützt, was die Militärs druckunempfindlich von außen macht.