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Vergesst Gaza nicht

LONDON – In der Regierungsarbeit dreht sich alles um Statistiken, aber im Leben geht es um Menschen. Diese Diskrepanz erklärt einen Großteil des Zynismus und der Verdrossenheit gegenüber der Politik, die heute in weiten Teilen der Welt vorherrschen. Und wenn innenpolitische Probleme vielleicht schon unlösbar erscheinen, vergrößert räumliche Distanz die Ratlosigkeit und Ermüdung aufgrund offenbar unlösbarer internationaler Probleme noch weiter. Wie üblich sind es aber die notleidenden Menschen, die der Aufmerksamkeit der Welt am meisten bedürfen.

Das gilt insbesondere für die 1,5 Millionen Menschen, die im Gazastreifen dicht gedrängt zwischen Israel, Ägypten und dem Mittelmeer eingeschlossen leben. Der Westen hat die von der Hamas kontrollierte Regierung Gazas bereits isoliert. Diese Woche wird der US-Kongress über die Einstellung der Hilfe an die im Westjordanland stationierte Palästinensische Autonomiebehörde debattieren. Allerdings ist es jetzt an der Zeit, mehr internationales Engagement für die Palästinenser an den Tag zu legen und nicht weniger.  

Aus der Statistik geht hervor, dass 80 Prozent der Bevölkerung Gazas von Lebensmittelhilfen der Vereinten Nationen abhängig sind. Die Arbeitslosenrate bei Jugendlichen beträgt 65 Prozent. Auf der Webseite des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten steht eine umfassende Datenbank zur Verfügung, die zeigt, wie viele Lastwägen mit unterschiedlichen Hilfsgütern von den israelischen Behörden nach Gaza gelassen werden.

Über die Situation der Menschen – oder eher: ihren Kampf gegen ihre Situation – wird in den Nachrichten regelmäßig berichtet, zuletzt, als der sonst einigermaßen wirksame Waffenstillstand im August von Gewalt unterbrochen wurde. Aber Gaza ist zu einem Land geworden, das die Zeit  - und die internationale Gemeinschaft – vergessen haben.