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Geldpolitischer Irrweg

NEW YORK – Die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks haben im September außergewöhnliche geldpolitische Maßnahmen ergriffen: die lange erwartete „QE3“ (die dritte Dosis quantitativer Lockerung durch die US Federal Reserve) und die Ankündigung der EZB, in unbegrenzter Menge Staatsanleihen der in Schwierigkeiten steckenden Euroländer aufkaufen zu wollen. Die Märkte reagierten euphorisch; in den USA etwa stiegen die Aktienkurse auf ihren höchsten Stand seit der Rezession.

Andere, insbesondere auf der politischen Rechten, zeigten sich besorgt, dass die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen die Inflation anheizen und zu ungezügelten staatlichen Ausgaben ermutigen könnten.

Tatsächlich sind sowohl die Befürchtungen der Kritiker als auch die Euphorie der Optimisten unbegründet. Angesichts der Menge an nicht ausgelasteten Produktionskapazitäten und der düsteren wirtschaftlichen Aussichten, was die unmittelbare Zukunft angeht, ist das Risiko einer ernsten Inflation minimal.

Trotzdem sind mit den Maßnahmen von Fed und EZB drei Botschaften verbunden, die den Märkten Anlass zum Nachdenken hätten geben sollen. Die erste ist das Eingeständnis, dass die bisherigen Maßnahmen nicht funktioniert haben; tatsächlich tragen die wichtigen Notenbanken an der Krise eine erhebliche Mitschuld. Doch ihre Fähigkeit, ihre Fehler wieder gut zu machen, ist begrenzt.