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Präsident Lyndon Ronald Bush

Präsident Bush hat seinen Finanzminister und seinen wichtigsten Wirtschaftsberater entlassen und beide Ämter nachbesetzt. Wird es dadurch zu Veränderungen kommen? Wirtschaftshistoriker Harold James setzt die Wirtschaftsstrategie Präsident Bushs in ihren historischen Kontext und ortet gefährliche Ähnlichkeiten mit amerikanischen Fehlern der Vergangenheit.

Trotz der Turbulenzen in den Jahren 1997 und 1998 war das Wirtschafts- und Finanzsystem in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stabiler als in früheren Jahrzehnten. Diese Stabilität schwindet momentan jedoch rasch - und mit ihr der prinzipielle Konsens auf dem sie beruhte.

Eines der bedeutendsten Elemente dieses Konsenses in den neunziger Jahren war die Idee der finanzpolitischen Verantwortung - international als der ,,Washington-Konsens" bekannt. In den USA folgte man damit der Erkenntnis Präsident Clintons, wonach ausgeglichene Budgets die Finanzmärkte stabilisieren, die Kreditkosten senken und daher für besseres Wachstum sorgen würden. Er setzte diese Politik auch gegenüber dem misstrauischen Kongress durch - selbst um den Preis dafür ein paar seiner sozialpolitischen Wahlversprechen aus dem Jahr 1992 opfern zu müssen.

In Europa wurde dieser Konsens in den Wachstums- und Stabilitätspakt der Europäischen Union aufgenommen und in Form der strengen Maastricht-Kriterien in die Praxis umgesetzt. Demnach darf die Höhe der nationalen Haushaltsdefizite eine Obergrenze von 3 % des BIP nicht überschreiten.